Besuch im Kinderschutzhaus Mattisburg

Heute besuchte ich das Kinderschutzhaus „Mattisburg“ in Schnelsen. Der Name Mattisburg ist angelehnt an Astrid Lindgrens Roman „Ronja Räubertochter“ und steht für Sicherheit und Schutz.
Gewaltgeschädigte Kinder werden hier unter der Federführung der diakonischen Großstadt-Mission betreut, ermöglicht wurde die Errichtung des Hauses im Jahr 2014 vor allem durch die Stiftung „Ein Platz für Kinder“, die damals Spenden in Höhe von ca. 1,2 Millionen Euro einsammeln konnte.
Im Gespräch mit Wilfried Hans, Vorstand der Großstadt-Mission, Stiftungsgründerin Johanna Ruoff und der Jugendhilfe-Bereichsleiterin der Mission, Silke Fölster, habe ich viel über die Entstehung und die tägliche Arbeit des Hauses erfahren.

image

Mit Wilfried Hans, Johanna Ruoff und Silke Fölster (v.r.n.l.) vor der Mattisburg

Die Mattisburg ist eine stationäre Facheinrichtung für gewaltgeschädigte Kinder oder für solche, bei denen der Verdacht entstanden ist, dass sie seelisch und körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht wurden. Die Kinder zwischen 4 und 10 Jahren bleiben in der Regel sechs Monate, und derzeit arbeiten dort 15 MitarbeiterInnen, PsychologInnen und SozialpädagogInnen daran, herauszufinden, was mit den Kindern geschehen ist und eine Perspektive für sie in der Zeit danach zu finden.
Die Diagnose steht also im Vordergrund, es wird nach dem KiD-Konzept (Kind in Diagnostik) gearbeitet. Dieser Ansatz habe sich in Düsseldorf seit 20 Jahren erfolgreich etabliert, so Frau Ruoff, die mit ihrer Stiftung schon 2008 erfolgreich ein solches Schutzhaus in Hannover etablieren konnte.
„Neben der Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse setzen wir auch auf eine stabile Alltagswelt“, so Frau Fölster, „diese soll den Kindern in ihrer Krise den nötigen Halt geben. Kindergarten, Schule oder andere Bezüge im jeweiligen Sozialraum gehören genauso dazu wie die schwierige Aufarbeitung einer schmerzvollen Vergangenheit.“
Der personelle und somit auch finanzielle Aufwand sei nicht unbeträchtlich, aber mittlerweile verspüre man eine gute Akzeptanz seitens der Behörden, so Herr Hans, darüber hinaus sehe man anhand der Wartelisten auch eine große Nachfrage an qualitativen Diagnostik- und Therapieplätzen. „Aus unserer Sicht ist es sinnvoller, derartig traumatisierten Kindern so früh wie möglich zu helfen, damit es nicht irgendwann zu spät ist“, so Herr Hans, „und letztlich hat das auch den positiven gesamtgesellschaftlichen Effekt, den Kindern später Chancen zu ermöglichen, ein geregeltes Dasein zu führen und nicht ihr Leben lang auf Maßnahmen des Sozialsystems angewiesen zu sein.“
„Zu jedem Kind gibt es einen umfangreichen Abschlussbericht mit deutlichen Empfehlungen an das Jugendamt bzw. Familiengericht, welche Folgemaßnahme, also Unterbringung bei Pflegeltern, einer betreuten Wohngruppe oder dergleichen, sinnvoll ist“, so Frau Fölster, „und die bisherigen Rückmeldungen über den weiteren Weg der Kinder sind überwiegend positiv. Das zeigt uns, dass unser Ansatz sinnvoll und erfolgreich ist.“
Der Name „ Mattisburg“ symbolisiere letztlich einen Ort der Sicherheit, an dem ein mutiges Kind heranwächst, so Frau Ruoff abschließend: „Was auch immer Kindern zuhause widerfährt, die Sehnsucht nach Familie und elterlicher, bedingungsloser Liebe bleibt. Und wenn es eines der Kinder in unseren Schutzhäusern gefragt wird, wo es denn wohnen würde, kann es ohne Scham und voller Stolz antworten: In der Mattisburg. Das ist für uns ein hoffnungsvoller Gedanke.“
Weiterführende Informationen finden Sie hier