Der Hamburger Sportbund (HSB) veröffentlicht jährlich im Februar seine neuen Mitgliederzahlen, so auch aktuell gestern. Mehr als erfreulich ist dabei diesmal: Mit einem Wachstum von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist ein neuer Höchststand erreicht – es sind so viele wie nie zuvor.
In Zahlen bedeutet das 38.538 neue Mitgliedschaften, somit gibt es jetzt insgesamt 621.468 Mitgliedschaften in den 864 Mitgliedsorganisationen des HSB.
Der positive Trend setzt sich auch im Kinder- und Jugendsport fort, hier gibt es einen Zuwachs von 6,06 Prozent – damit steigt die Zahl der Mitgliedschaften von Kindern und Jugendlichen (bis 18 Jahre) auf 176.855 und erreicht damit ebenfalls einen neuen Höchststand. Auch die Zahl der weiblichen Mitgliedschaften wächst weiter und liegt mit 210.869 so hoch wie seit dem Jahr 2016 nicht mehr.
Neben der Entwicklung der aktiven Mitgliedschaften zeigt sich ein Trend innerhalb der Mitgliederstruktur: Fans, Fördernde, Supporterinnen und Supporter tragen inzwischen mit rund einem Viertel zum Gesamtbestand bei. Diese Gruppe ist in großen Teilen auch über Hamburg hinaus verortet und trägt mit ihren Mitgliedsbeiträgen zur verlässlichen Arbeit der Vereine sowie zur Förderung des gesamten Sports über die Verbände in Hamburg bei.
Nach wie vor wird das Wachstum maßgeblich von den beiden größten Hamburger Sportvereinen getragen: Der HSV meldet ein Plus von 24.835 Mitgliedschaften, der FC St. Pauli einen Zuwachs von 6.114 Mitgliedschaften.
Die positive Entwicklung zeigt sich auch wieder einmal im Bezirk Eimsbüttel: Nummer 3 der Vereine in Hamburg ist erneut der ETV (21.908 Mitglieder), auch der Deutsche Alpenverein mit Sitz in Lokstedt (14.430), der SV Eidelstedt (8.739) und der NTSV (8.523) liegen unter den Top Ten.
Und ebenso konnten weitere Vereine mit Standorten und Aktivitäten in Lokstedt, Niendorf und Schnelsen ihre Mitgliedszahlen steigern: SC Victoria (nun auf 3.866), Grün-Weiß Eimsbüttel (3.383), Germania Schnelsen (1.715), TV Lokstedt (1.529), HTC Blumenau (576), Eintracht Lokstedt (566), Hamburg Stealers (196), Schachclub Königsspringer (162) und der Niendorfer Minigolf-Club (50).
Der Rekord-Mitgliederzuwachs zeigt insgesamt den hohen Stellenwert des Sports in unserer Stadt und ist auch eine Folge unserer „Active-City“-Startegie. Und ebenso wird dadurch noch einmal die gesellschaftliche Funktion des Sports deutlich, nicht nur aus gesundheitlichen Aspekten, sondern vor allem auch als Ort der Begegnung, unabhängig, von Herkunft, Alter oder Geschlecht.
Zudem gibt es auch immer mehr inklusive Sportangebote in unserer Stadt, für Menschen mit Behinderungen – besonders tolle Beispiele wurden ja neulich mit dem Werner-Otto-Preis im Rathaus ausgezeichnet – hier der Bericht darüber.
Das alles ist nicht nur den verantwortlichen Akteuren in Vorstandsfunktionen der Vereine zu verdanken, sondern vor allem auch ein Verdienst der vielen Ehrenamtlichen im Trainings- und Betreuungsbetrieb, die sich mit Leib und Seele im Sport engagieren. Das werden wir auch weiterhin nach Kräften unterstützen.
Auch der HSB-Vorstandsvorsitzende Daniel Knoblich zeigte sich über die sehr positive Gesamt-Entwicklung erfreut:
„Diese Zahlen sind ein starkes Signal für den Hamburger Vereinssport. Wir erleben ein Rekordjahr mit so vielen Mitgliedschaften wie nie zuvor – das zeigt, wie groß die Bedeutung von Sportvereinen für Bewegung, Gemeinschaft und Zusammenhalt in unserer Stadt ist.
Besonders erfreulich ist, dass sowohl der Kinder- und Jugendsport als auch die Zahl der weiblichen Mitglieder weiterwachsen. Das macht deutlich, dass unsere Vereine Menschen aller Generationen erreichen und zentrale Orte des Miteinanders in Hamburg sind. Ein wachsender Sport braucht wohnortnahe Sportflächen: Das gilt es verstärkt in den Blick zu nehmen, um die positive Entwicklung auch zukünftig fortführten zu können.“
Mehr Informationen gibt es in der HSB-Mitgliederstatistik 2026 auf der Website und in den ergänzenden Informationen.
Darüber hinaus zeigen die Zahlen auch die große Sportbegeisterung in der Stadt, die aus unserer Sicht einen weiteren Schub für Hamburgs Bewerbung zu den Olympischen und Paralympischen Spielen geben kann.
Gerade die Ausrichtung der Paralympischen Spiele würde für den Behindertensport und die Inklusion in der ganzen Stadt einen gewaltigen Schub bedeuten.
Bereits heute sind 97 Prozent der Schnellbahnhaltestellen in Hamburg barrierefrei. Auf diesem Fundament entsteht ein vollständig barrierefreies Mobilitätskonzept, das allen Menschen eine selbstbestimmte Teilhabe am städtischen Leben ermöglicht – während der Spiele und darüber hinaus. Ziel ist es, mit dem positiven Schub von Olympia die barriereärmste Großstadt Deutschlands zu werden und durch gezielte langfristige Sport- und Gesundheitsförderung Hamburger Kinder und Jugendlichen als eine aktive „Olympische Generation” aufwachsen zu sehen.
Dazu haben wir auch den Aktionsplan „Inklusion und Sport“ entwickelt, um die Teilhabe für alle am Sport zu ermöglichen, auf öffentlichen Plätzen, im Vereinssport und in der Schule. Der inklusive Schulsportunterricht wird gestärkt und eine umfassende Gesundheitsförderung der „Olympischen Generation“ damit inkludierend gesichert.
Das alles ist kein Wunschdenken, sondern durch tiefgehende, seriöse Analysen belegt, auch im Zusammenhang mit den vergangenen Spielen 2024 in Paris.
Ein paar Fakten dazu:
Die Paralympics in Paris haben mit Blick auf die medialen Reichweiten und das öffentliche Interesse alle Rekorde gebrochen. Nie zuvor waren die Spiele der Athletinnen und Athleten mit Behinderungen so präsent wie diesmal – ob im TV, im Radio oder in den Sozialen Medien.
Von den Paralympics wurde insgesamt noch nie so viel berichtet, wie von den Spielen in Paris 2024: 260 Stunden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und im Livestream in ARD und ZDF, täglich aktuelle Print- und Onlineartikel mit Ergebnissen, Geschichten, Interviews wurden gezeigt. In den Sozialen Medien wurden unzählige Posts und Likes abgesetzt, Beiträge kommentiert und geteilt.
Insgesamt wurde durch vielfältige Kommunikationsmaßnahmen eine Rekord-Reichweite von über 277 Millionen erzielt, darunter mehr als 58 Millionen über die eigenen digitalen Kanäle des Team D Paralympics (+30 Millionen im Vergleich zu Tokio) sowie 171 Millionen durch weitere digitale Angebote.
Die Zahlen beweisen, dass der Para-Sport nicht nur wahrgenommen, sondern wertgeschätzt und gefeiert wird. Nie zuvor hatte der Sport von Menschen mit Behinderungen so eine Aufmerksamkeit und Relevanz. Zugleich haben die Spiele das Ziel nähergebracht, dem Para-Sport durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Sportler/-innen, Verbänden, Vereinen, Politik und Verwaltung sowie Medienvertreter/-innen eine noch größere Plattform zu bieten – nicht nur alle vier Jahre zu den Paralympischen Spielen.
Insofern gilt es, diesen eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
Zum Schluss noch hier ein Artikel von Mareike Miller, sie ist seit 2020 Gesamtaktivensprecherin im Deutschen Behindertensportverband (DBS). Sie nahm im Rollstuhlbasketball in vier Paralympischen Spielen teil, 2012 gewann sie in London Gold und vier Jahre später noch einmal Silber in Rio.
Hier ihr Gastbeitrag im TAGESSPIEGEL vom 26.9.2025:
Debatte um Olympia in Deutschland: Bitte verschweigt die Paralympics nicht!
Wenn hierzulande über die Bewerbung für Olympia gesprochen wird, spielen die Paralympics kaum eine Rolle. Dabei wäre eine Austragung der Sommerspiele so wichtig für Menschen mit Behinderung.
Viermal habe ich als Rollstuhlbasketballerin an den Paralympischen Spielen teilgenommen, zuletzt in Paris vor einem Jahr. Mit meinen Teamkolleginnen kämpfe ich um Siege und Medaillen – und abseits des Spielfeldes um Aufmerksamkeit für den Sport von Menschen mit Behinderung. Denn die ist leider immer noch nicht selbstverständlich.
Die Paralympics, das größte Sportfest der Welt für Menschen mit Behinderung, begeistern. Die Faszination zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Paralympische Spiele vereinen sportliche wie gesellschaftliche Potenziale. Wie keine andere Veranstaltung stehen sie für Vielfalt und für die Kraft des Sports, Barrieren zu überwinden. Vor allem auch in den Köpfen der Menschen.
Paralympische Athlet*innen sind gleichzeitig Mutmacher*innen und Botschafter*innen, die ihre Finger in bestehende Wunden legen können: etwa hinsichtlich fehlender Angebote im Sport, mangelnder Teilhabemöglichkeiten, nicht ausreichender Barrierefreiheit oder einer intransparenten Hilfsmittelversorgung. Auch deshalb sind insbesondere die Paralympics eine Bereicherung für jede Bewerbung um die Austragung der Spiele – und wären ein großer Gewinn für Deutschland.
Die Paralympics sind ein Motor, ein Beschleuniger gesellschaftlicher Prozesse, die eigentlich schon durch die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen und Deutschlands Unterzeichnung 2009 längst überfällig sind.
Die Austragung der Paralympics in Deutschland wäre ein deutlicher Schub für ein inklusives Sportdeutschland, ein Impulsgeber für ein Umdenken in unserer Gesellschaft. Hin zu einem öffentlichen Raum ohne Barrieren, von dem auch Senior*innen oder Familien mit Kinderwagen profitieren. Hin zu einem größeren Stellenwert von Menschen mit Behinderung sowie einem unverkrampften Miteinander – und weg von hohen Hürden und Hemmschwellen.
Überzeugt bin ich, dass die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen Deutschland nachhaltig in Bewegung bringen wird, mit allen positiven Effekten für unsere Gesellschaft wie etwa hinsichtlich Gesundheit und Prävention. Der Sport muss wieder eine größere Bedeutung erhalten, er tut unserer Gesellschaft gut.
Folglich trete ich dafür ein, bei der Bewerbung um Olympia und Paralympics nicht nur die (finanziellen und ökologischen) Risiken in den Blick zu nehmen, sondern auch die großartigen Chancen, die nicht auf den Zeitraum der Spiele begrenzt sind. Dabei kann ich insbesondere die Effekte der Paralympischen Spiele nicht genug betonen. Der Fortschritt beginnt zudem schon Jahre zuvor mit einem größeren Fokus auf Sport und Bewegung – und das wirkt langfristig. London 2012 oder Paris 2024 haben es ganz besonders vorgemacht.