Werner-Otto-Preis 2026: Auszeichnungen für tolle Projekte im Behindertensport

Seit 2011 lobt die Alexander Otto Sportstiftung jährlich den Werner-Otto-Preis im Hamburger Behindertensport aus, so auch in diesem Jahr: Die Preisverleihung fand gestern im Rahmen eines Senatsempfangs mit Sportsenator Andy Grote sowie rund 120 Gästen im Kaisersaal des Hamburger Rathauses statt.

Mit dem Preis wird das langjährige Engagement von Prof. Dr. h.c. Werner Otto gegenüber sozial schwächeren und benachteiligten Menschen fortgeführt. Preiswürdig sind Projekte, die zur Inklusion und Förderung behinderter Menschen im Sport beitragen. Der Preis ist insgesamt mit 30.000 Euro dotiert.

Die ausgezeichneten Projekte mit Andy Grote, Alexander Otto, Jury-Mitgliedern und Laudatoren (Foto: Alexander Otto Sportstiftung)

In diesem Jahr wurde der Verein Autismus Hamburg e. V. mit einem Preisgeld von 15.000 Euro ausgezeichnet, für sein Rugbyangebot für autistische Kinder.

Anerkennungen verbunden mit Preisgeldern von jeweils 5.000 Euro erhielten der Brücken für Kinder e. V. für seinen „HafenCity-Run inklusive“, ein inklusives Laufangebot für Menschen mit mentaler Beeinträchtigung, der SV Eidelstedt für sein inklusives Schwimmangebot für Kinder und Jugendliche sowie der SC Poppenbüttel für seine Gehschule für beinamputierte Menschen. Die Auswahl erfolgte durch eine Jury, der u. a. die Paralympic-Siegerinnen Edina Müller und Dorothee Vieth angehörten.

Andy Grote, Sportsenator der Freien und Hansestadt Hamburg, ging in seinem Grußwort neben seinem Dank, vor allem an die Ehrenamtlichen in den Projekten, auch auf die Bewerbung Hamburgs für die Olypmischen und besonders die Paralympischen Spiele ein:

„Wir haben uns mit der Olympia-Bewerbung das Ziel gesetzt, Hamburg zur barriereärmsten Metropole Deutschlands zu machen und allen Menschen einen leichten Zugang zu Sport und Bewegung zu ermöglichen. Etwas, das die Alexander Otto Sportstiftung schon seit vielen Jahren mit dem Werner-Otto-Preis in herausragender Weise fördert. Das enorme Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger zeigt, wie wir mit Sport und Bewegung Hürden abbauen und durch Begegnung Verbindung schaffen. Mit diesem Spirit machen wir auch Olympia zu einer Chance für alle Menschen in unserer Stadt!“

Alexander Otto, Kuratoriumsvorsitzender der Alexander-Otto-Sportstiftung ergänzte:

„Die Bewerbungen sind Ausdruck der Vielfalt der Sportangebote in unserer Stadt und des großen Engagements der Vereine für Inklusion. Jedes einzelne Angebot trägt zur Teilnahme und Teilhabe bei. Mit meiner Stiftung und dem Preis möchte ich dazu beitragen, diese positive Entwicklung zu verstetigen.“

Die Laudationen für die einzelnen Sieger-Projekte übernahmen sehr engagierte, prominente Akteure für den Inklusionssport, u. a. auch die Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Beachvolleyball, Laura Ludwig – hier die ausführlichen Begründungen der Jury für die einzelnen Preisträger:

Autismus Hamburg e. V. (15.000 Euro Preisgeld)

Mit seinem Angebot „Rugby für autistische Kinder“ ermöglicht Autismus Hamburg e. V. Kindern die Möglichkeit zur Entfaltung und Teilhabe. Das Angebot richtet sich an Kinder mit Autismus zwischen acht und zwölf Jahren, die darüber einen spielerischen und spaßorientierten Einstieg in den Rugbysport finden. Viele der Kinder erleben zum ersten Mal Gruppenerfahrungen ohne Angst, Ausschluss und Mobbing. Ein klar strukturierter Trainingsablauf gibt den Teilnehmenden Sicherheit, Orientierung und Selbstvertrauen.

Das Trainerteam begleitet die Kinder mit großer Sensibilität und Professionalität. Einige Kinder, die zuvor längere Zeit nicht zur Schule gehen konnten, fanden durch das gestärkte Selbstvertrauen den Weg zurück in den Unterricht. Geschwisterkinder sind willkommen, neue Interessierte können jederzeit zu Schnuppertrainings kommen. Das Preisgeld ermöglicht die Sicherung der Trainingsgruppe und Gründung einer zweiten.

Brücken für Kinder e. V. (5.000 Euro Preisgeld)

Brücken für Kinder e. V. motiviert Menschen mit mentaler Beeinträchtigung auf niedrigschwellige Weise zur Teilnahme am HafenCity Run. Dabei geht es um das Gemeinschaftserlebnis: Gelaufen wird in kleinen Gruppen ohne Zeitmessung auf einer barrierefreien Strecke. Alle Finisher erhalten Anerkennung und Wertschätzung.

In diesem Jahr ist eine Erweiterung auf 1.200 aktive Menschen mit Beeinträchtigung geplant, verteilt auf 20 inklusive Gruppen. Damit wird Inklusion zum Teil einer großen Laufveranstaltung. Bei einem After-Run-Angebot erhalten die Teilnehmenden fachliche Beratung zu gesunder Ernährung, Körperhygiene und zur Trainingssteuerung. Ziel ist der Übergang inklusiver Laufgruppen in Sportvereine sowie die Qualifizierung von Menschen mit Beeinträchtigung als unterstützende Laufkapitäne.

SV Eidelstedt (5.000 Euro Preisgeld)

Das inklusive Schwimmangebot des SV Eidelstedt zeigt, wie Sport Menschen mit und ohne Beeinträchtigung und unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenbringt. In sechs Schwimmgruppen, jede angeleitet von einem vierköpfigen Trainer- und Betreuerteam, lernen Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen im eigenen Tempo das Schwimmen. Die Teilnehmenden erfahren nicht nur Wassergewöhnung und Bewegungsförderung, sondern verbessern auch ihre motorischen Fähigkeiten.

Kinder mit und ohne Handicap treffen hier ganz selbstverständlich aufeinander, spielen, lernen und lachen gemeinsam. Kinder ohne Beeinträchtigung machen wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Vielfalt. Kinder mit Beeinträchtigungen erfahren Anerkennung, Zugehörigkeit und Selbstvertrauen. Auch nach 14 Jahren wächst das Angebot weiter.

SC Poppenbüttel (5.000 Euro Preisgeld)

Die Gehschule des SC Poppenbüttel begleitet Menschen mit Unter- oder Oberschenkelamputationen auf ihrem Weg zurück in den Alltag. Die Teilnehmenden lernen nicht nur, mit der Prothese sicher zu gehen, zu stehen oder Treppen zu steigen, sondern wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln und neue Lebensperspektiven zu entdecken. Das Angebot schließt eine wesentliche Lücke: Viele Menschen stehen nach Unfall und Reha plötzlich allein im Alltag – oft ohne Anleitung, wie sie ihre Prothese im täglichen Leben einsetzen. In den wöchentlichen, 90-minütigen Trainings werden Bewegungsabläufe schrittweise neu aufgebaut: Vom sicheren Stand bis zum Radfahren und gemeinsamen Schwimmbesuchen. Jede Woche stellt der Trainer die Teilnehmenden vor neue Situationen, in denen sie ihre Fähigkeiten erproben und Erfolgserlebnisse feiern.

Herz des Projekts ist Trainer Hendrik Huse, der selbst seit Jahrzehnten mit einer Prothese lebt. Er ist nicht nur Trainer, sondern Vorbild und Partner. Das Angebot ebnet den Weg zurück in den Sport und viele Teilnehmende entdecken erstmals wieder Spaß an der Bewegung.

Unisono wurde aber auch allen weiteren Projekten für den Inklusionssport in Hamburg für ihr Engagement gedankt und sie aufgefordert, sich gerne wieder für den Werner-Otto-Preis zu bewerben – für das Jahr 2027 beginnt der Bewerbungszeitraum im September dieses Jahres.

Auch unsere derzeitige Schulpraktikantin Linnea (14 Jahre, Corvey-Gymnasium Lokstedt) hat die Preisverleihung verfolgt – hier ihre Eindrücke:

Der Besuch der Verleihung des Werner-Otto-Preises war für mich eine sehr positive und beeindruckende Erfahrung. Schon beim Betreten des Rathauses war die Besonderheit dieses Preises zu spüren. Über eine mit rotem Teppich ausgelegte Treppe ging es in den wunderschönen Kaisersaal, wo die Verleihung stattfinden sollte.

Kurz nachdem wir Platz genommen hatten, ging es dann auch schon los: Andy Grote hob in seiner Rede die Wichtigkeit des Preises und der Preisträger hervor. Ebenfalls ging er auf die Olympia-Bewerbung Hamburgs und den dazu bevorstehenden Volksentscheid ein, er sprach sich klar für olympische und paralympische Spiele in unserer Stadt aus. Durch seine Rede wurden mir die vielen Chancen, die Olympia für Hamburg bringen könnte, vor Augen geführt – vor allem die, die eventuelle Paralympics für den Inklusionssport bedeuten könnten.

Auch Alexander Otto setzte sich in seiner Rede für Olympia in Hamburg ein, aber sprach vor allem seinen Dank gegenüber der Arbeit für Inklusionssport an die vielen Bewerber auf den Preis aus.

Dann begann die Verleihung des Werner-Otto-Preises. Die Gewinner und Gewinnerinnen vermittelten mit ihrer hervorragenden Laune und ihren tollen Projekten eine gute Stimmung, die sich auf den gesamten Saal übertrug. Besonders berührend fand ich, dass einige der Preisträgerinnen und Preisträger so überwältigt waren, dass ihnen die Tränen kamen.

Zudem sind mir die Redebeiträge und Laudationes sehr in Erinnerung geblieben, die durch die prominenten Gäste abgehalten wurden, da sie allesamt sehr wertschätzend und anerkennend waren. Hervorheben möchte ich dabei die sehr sympathische Laura Ludwig, mit der ich hinterher auch noch ein paar Worte wechseln konnte.

Des Weiteren lag der Fokus nicht nur auf dem Sport, sondern auch auf dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, den besonders der Inklusionssport mit sich bringt. Außerdem gefallen haben mir die tollen Geschichten, die die Preisträger und Preisträgerinnen mit dem Publikum teilten. Dazu gehörte beispielsweise ein Junge, der den langen Weg von Dänemark nach Hamburg einmal in der Woche zurücklegte, nur um an dem tollen Rugby-Angebot des Autismus e. V. teilzunehmen.

Linnea mit Sportsenator Andy Grote, Sportstaatsrat Christoph Holstein und Laura Ludwig

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