Die Behörde für Inneres und Sport Hamburg (BIS) und die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration Hamburg haben die Bezirksversammlung Eimsbüttel über veränderte Planungen für den Standort Schmiedekoppel 30 informiert.
Vor dem Hintergrund sinkender Zugangszahlen von Asylsuchenden soll der Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung auf der dortigen Wiesenfläche im Sommer 2026 beendet werden.
Betrieb der Erstaufnahme endet im Sommer 2026
Der Standort Schmiedekoppel 30 wird seit mehreren Jahren als Erstaufnahme (EA) genutzt. Aktuell verfügt die Einrichtung über eine Soll-Kapazität von 740 Plätzen. Zum Stichtag 31. Januar 2026 lebten dort 433 Personen.
Angesichts der seit September 2024 kontinuierlich rückläufigen Zugangszahlen von Asylsuchenden passt die Innenbehörde die Kapazitäten der Erstaufnahme schrittweise an den tatsächlichen Bedarf an. In diesem Zuge soll der Betrieb der EA zum 31. Juli 2026 – während der Sommerferien – beendet werden. Anschließend ist ein schrittweiser Rückbau der Anlage bis Ende 2026 vorgesehen.
Der benachbarte EA-Standort Schmiedekoppel 29 bleibt von dieser Entscheidung unberührt und wird weiterhin betrieben.
Perspektive: Prüfung für reguläre Unterbringung
Mit dem Rückbau der Erstaufnahme eröffnet sich zugleich eine neue Perspektive für das Gelände. Die Behörden prüfen derzeit, ob auf der Fläche künftig eine öffentlich-rechtliche Folgeunterbringung (örU) entstehen kann.
Eine solche Unterkunft würde einen deutlich höheren Unterbringungsstandard bieten als eine Erstaufnahme. Gleichzeitig könnten Synergien mit der benachbarten Einrichtung an der Schmiedekoppel 29 entstehen, etwa durch Umzüge innerhalb des Standorts oder durch den Verbleib von Bewohnerinnen und Bewohnern im vertrauten sozialen Umfeld.
An den Planungen arbeiten neben den beiden Behörden auch die Fördern & Wohnen AöR sowie das Bezirksamt Eimsbüttel eng zusammen.
Hintergrund: Bedarf an langfristigen Unterbringungsplätzen
Während die Zahl neu ankommender Asylsuchender sinkt, bleibt das System der Folgeunterbringung stark ausgelastet. Ende Januar 2026 lag die Auslastung der öffentlichen Unterbringung in Hamburg bei 94,6 Prozent.
Viele Menschen verbringen derzeit vergleichsweise lange Zeit in Erstaufnahmen – im Durchschnitt rund 450 Tage. Auch am Standort Schmiedekoppel 30 lebten zuletzt über 300 sogenannte Überresidente, also Personen, die eigentlich bereits in eine Folgeunterbringung wechseln könnten.
Vor diesem Hintergrund bemüht sich die Sozialbehörde darum, dauerhafte und qualitativ hochwertige Unterbringungsplätze auszubauen und gleichzeitig kostenintensive oder nur befristet verfügbare Notstandorte abzubauen.
Schrittweiser Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner
Der Auszug aus der Erstaufnahme Schmiedekoppel 30 soll schrittweise erfolgen. Die Umzüge werden von Fördern & Wohnen nach einem bewährten Verfahren organisiert. Ziel ist es, die soziale Anbindung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie bestehende Unterstützungsstrukturen möglichst zu erhalten.
Besonders berücksichtigt werden Familien mit schulpflichtigen Kindern: Schulwechsel sollen möglichst während der Sommerferien erfolgen, um Unterbrechungen im laufenden Schuljahr zu vermeiden. Derzeit leben rund 120 schulpflichtige Kinder mit ihren Familien am Standort.
Weitere Schritte
Die Planungen für den Rückbau der Erstaufnahme und die mögliche Entwicklung einer Folgeunterbringung laufen parallel. Sobald konkrete und belastbare Ergebnisse vorliegen, wird die Bezirksversammlung beteiligt und über die nächsten Schritte informiert.
Der aktuelle Mietvertrag für die Fläche Schmiedekoppel 29-30 läuft bis Ende 2030. Nach derzeitiger Planung wird eine Nutzungsperspektive bis 2040 geprüft, um langfristig tragfähige Lösungen für die Unterbringung zu schaffen.
Wir haben die Behörden darum gebeten, frühzeitig sowohl die Anwohnerschaft als auch den Runden Tisch „Wir für Niendorf“ über die neuen Planungen zu informieren und dortige Hinweise und Anregungen in die weiteren Planungen aufzunehmen.