Sozialer Treffpunkt in der Lenzsiedlung – Besuch im Café Lenz

Gestern habe ich mich im Café Lenz in der Lenziedlung (Julius-Vosseler-Straße 193) über das dortige Projekt der einfal gGmbH mit den Verantwortlichen ausgetauscht.

einfal-Geschäftsführerin Grietje Bergmeyer und Susanne Priebitz-Potocnik, u. a.  Leiterin des ReeWie-Hauses in Eidelstedt, stellten mir das gesamte Projekt vor, Café Lenz-Betreiber, Chefkoch und Anleiter Manfred Steinwender berichtete aus seinem Arbeitsalltag.

Das Café Lenz ist ein sozialer Treffpunkt zum Mittagessen, Kaffee trinken und gemeinsamen Miteinander im Bürgerhaus der Lokstedter Lenzsiedlung. In dem von der einfal gGmbH betriebenen Nachbarschafts-Café gibt es preiswertes Essen, für Menschen mit geringem Einkommen ist das sogar noch günstiger: Mit dem Zwei-Preis-System wird ermöglicht, dass sich jede/r das Essen auch leisten kann. Menschen, die normal verdienen, bezahlen einen üblichen Preis und Menschen mit geringem Einkommen wird auf Nachweis ein vergünstigter Genuss und Mittagessen ermöglicht. Alleinstehende und Familien, die ein Einkommen unterhalb der Pfändungsfreigrenze haben, können eine Kundenkarte beantragen. Hiermit erhalten sie die Berechtigung das Mittagessen oder einen Kaffee vergünstigt zu erwerben. 

Mittags gebe es an vielen Tagen 40-50 Gäste, so Manfred Steinwender, auch nachmittags kommen etliche Gäste, zu Kaffee und Kuchen. Und die Speisekarte fürs Mittagessen ist beeindruckend, davon konnte ich mich überzeugen: Neben dem täglichen Angebot von Klassikern wie Flammkuchen, Currywurst/Pommes, Spaghetti Bolognese, Chicken Nuggets und Suppen gibt es wechselhafte Gerichte wie Gulasch, Rinderbraten, Hähnchenbrust, Schweinemedaillons, Frikadellen, Seelachs, Pangasiusfilet, Pannfisch, Matjes und vieles mehr, natürlich mit den jeweils passenden Beilagen.

Bekocht und bedient werden die Gäste von zumeist nicht aus der Gastronomie stammenden Menschen, hier wird Langzeitarbeitslosen vorübergehend eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglicht, um ihre Chancen, in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren, zu erhöhen. Das Projekt verbindet also die Förderung von langzeitarbeitslosen Menschen durch die Schaffung von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen mit Stadtteilkultur und Quartiersentwicklung. 

Darunter sind auch geflüchtete Menschen, die zum Teil aus völlig anderen Berufsbereichen kommen, aber überwiegend mit sehr großem Engagement und Freude im Café arbeiten. Das sei natürlich manchmal auch herausfordernd, so Manfred Steinwerder, denn diese Menschen haben ja sehr unterschiedliche Voraussetzungen und auch Problematiken, z. B. Kriegstraumata, doch in der Regel funktioniere das sehr gut. Zum Gespräch kurz dazu stieß dann auch eine Mitarbeiterin aus Syrien, die im Café nicht nur einen sehr guten Job mache und sehr beliebt bei den Gästen sei, erzählt Manfred Steinwerder, sondern auch, was mir sofort auffiel, in anderthalb Jahren schon recht gut Deutsch gelernt hat.

Und das sei halt auch sehr wichtig, so Grietje Bergmeyer und Susanne Priebitz-Potocnik unisono – das Beherrschen der deutschen Sprache ist natürlich eine wichtige Voraussetzung, um eine gute Arbeit zu bekommen.

Mit den beiden habe ich dann ausführlich über die Herausforderungen und Anstrengungen des Projektes gesprochen, über die Zusammenarbeit mit behördlichen Stellen, u. a. Bezirksamt und Jobcenter, und auf Ebene der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) mit weiteren Trägern ähnlicher Projekte.

Gerade bei Angeboten von berufsbezogenen Deutschkursen hake es noch, so Grietje Bergmeyer und Susanne Priebitz-Potocnik, die auch auf die schwierige Situation für viele Menschen hinwiesen, die bei uns Zuflucht suchen, in Bezug auf die Anerkennung ihrer jeweiligen Berufsausbildung in ihren Heimatländern.

Ansonsten aber laufe dieses Projekt sehr gut – offiziell unter dem Paragraphen 16 i im SGB II „Teilhabe am Arbeitsleben“, in Kombination mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF), und nach dem Modell Tagwerk sowie gemeinnützige Arbeit.

Finanziert wird das Ganze also hauptsächlich durch ESF-Gelder – was wieder zeigt, dass – entgegen häufiger Kritik – auch wir hier vor Ort in vielen Zusammenhängen von der EU sehr profitieren, und sei es wie in diesem Falle durch Zuschüsse aus dem ESF.

Die Zielgruppe für die Mitarbeit im Café Lenz sind erwerbsfähige Leistungsberechtigte über 25 Jahre, die seit mindestens sechs Jahren innerhalb der letzten sieben Jahre Bürgergeld (SGB II) bezogen haben und nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Die Förderdauer geht bis zu 5 Jahre, der Lohnkostenzuschuss beträgt im 1. und 2. Jahr 100 Prozent (vom Arbeitsentgelt inkl. pauschalierten Sozialversicherungsbeiträgen), sinkt danach jährlich um 10 Prozentpunkte, also bis 70 Prozent im 5. Jahr. 

Als zusätzliche Leistung gibt es ein Coaching, eine ganzheitliche, beschäftigungsbegleitende Betreuung, die durch durch das Jobcenter finanziert wird, auch Kosten für notwendige Weiterbildungen können bis zu 3.000 Euro übernommen werden – die Arbeitnehmer/-innen sind dann für Coaching und Weiterbildungen unter Fortzahlung des Lohns freigestellt. Auch betriebliche Praktika bei anderen Arbeitgebern sind zur Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit möglich.

Geschäftsführerin Grietje Bergmeyer betonte somit auch: „Projekte wie das Café Lenz stehen für soziale Integration und Teilhabe, jenseits des ersten Arbeitsmarktes, mit Würde statt Statistik. Hier haben die Menschen eine sinnvolle Beschäftigung und eine wichtige Tagesstruktur statt eines Parkens in der Arbeitslosigkeit. Dadurch erfahren sie außerdem einen sichtbaren Wert für andere Menschen und die Stärkung von Selbstwert. Und nicht zuletzt ist ja gerade das Café Lenz als offenes Angebot für alle ein wertvoller sozialer Treffpunkt im Quartier Lenzsiedlung, wo sich Menschen auf Augenhöhe begegnen und durch gemeinsame Interessen miteinander verbinden.“

Wieder einmal ein sehr eindrucksvoller Wahlkreistermin, bei dem viele wichtige Eindrücke und Erkenntnisse mitgenommen werden konnten.

Weitere Informationen zum Café Lenz finden sich hier: https://www.einfal.de/projekte/cafe-lenz/

Übrigens: Auch für Feiern von Nachbarn, Firmen oder Familien ist das Café Lenz ideal. Im schönen Rundbau mit Terrasse und Gartenblick ist es ein schöner Ort zum Feiern und Entspannen.

Zurzeit wird am Bürgerhaus fleißig gebaut und modernisiert, um den Platz und seine Gebäude noch schöner zu machen.

Vielen Dank für die Einladung und für den guten Austausch.

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