Heute Abend hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „80 Jahre Curiohaus-Prozesse“ beim GEW Landesverband in der Rothenbaumchaussee gemeinsam mit dem Historiker Marco Kühnert und rund 60 interessierten Gästen über Erinnerungskultur, historische Verantwortung und die Frage zu diskutieren, wie wir heute über Täter, Mitläufer und Widerstand im Nationalsozialismus sprechen.

„Die hatten doch sicher später dauernd Albträume?“ ist dabei u. a. eine Frage von Schülerinnen und Schülern über die Geschichte des Konzentrationslagers Neuengamme, die Marco Kühnert in seinen unzähligen Führungen in der Gedenkstätte begegnet.
Im Mittelpunkt stand dabei die Geschichte unseres Großvaters Herbert Schemmel, der fünf Jahre in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Neuengamme inhaftiert war und die NS-Verfolgung nur mit großem Glück überlebte.
Wir sprachen darüber, wie seine Erfahrungen mich persönlich und bei meiner historischen und politischen Arbeit geprägt haben, über die Weitergabe von Erinnerungen innerhalb der Familie, über die Wahrnehmung von Tätern und die Rolle seiner Zeugenaussagen in den Curiohaus- und weiteren Prozessen nach dem Krieg.
Ebenso ging es um die Verantwortung nachfolgender Generationen als „Zweitzeugen“ und die Frage, welche Lehren wir aus der Geschichte für die Herausforderungen unserer Gegenwart ziehen können.
Deutlich wurde in den Gesprächen, wie wichtig es ist, demokratische Werte, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv zu verteidigen.
Die Geschichte unseres Großvaters zeigt, wie schnell Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und Angriffe auf demokratische Institutionen zur Gefahr werden können und wie wichtig es ist, rechtzeitig Haltung zu zeigen.
Vielen Dank an Marco Kühnert für das spannende Gespräch, an die Organisatorinnen und Organisatoren der GEW für die Einladung und an alle Besucherinnen und Besucher für ihr Interesse und die engagierte Diskussion.