Unter dem Motto „Deine Stadt, deine Stimme, deine Spiele“ haben mehr als 3.000 Hamburgerinnen und Hamburger die Chance genutzt, sich bei den insgesamt 15 Bürgerdialogen und Beteiligungsformaten sowie online zu informieren, Feedback zu geben und sich aktiv mit Ideen und Anregungen einzubringen. Somit werden wir ein Konzept auf den Weg bringen, das die Handschrift der Hamburgerinnen und Hamburger trägt.
Viele der Rückmeldungen zu Themen wie Nachhaltigkeit, soziale Teilhabe, Rahmenprogramm oder Inklusion finden den Weg in Hamburgs Bewerbungskonzept, das nun Schritt für Schritt weiter ausgearbeitet und im Juni beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingereicht werden soll.
Von den über 800 Rückmeldungen konnten nach vorläufiger Prüfung durch das Olympia-Projekt rund 20 Prozent als direkt umsetzbar eingestuft werden. Sie werden direkt ins Konzept aufgenommen oder waren bereits im aktuellen Konzeptentwurf enthalten. Rund 55 Prozent könnten ebenfalls in die weitere Ausgestaltung der Bewerbung einfließen und werden nun im weiteren Ausgestaltungsprozess u. a. mit den zuständigen Fachbehörden geprüft. 17 Prozent der Hinweise hatten keinen unmittelbaren Olympia-Bezug und werden an die zuständigen Behörden weitergereicht. Weitere rund 8 Prozent sind nicht für das Konzept umsetzbar.
Besonders häufig formulierten die Menschen Hinweise zu modernen, barrierefreien Mobilitätsangeboten (25 Prozent der Rückmeldungen), einem olympischen und paralympischen Rahmenprogramm, das möglichst alle Stadtteile mit Mitmach-Aktionen – insbesondere für Kinder und Jugendliche – einbezieht (19 Prozent) sowie zur Modernisierung und dem Ausbau der Sport- und Trainingsstätten (11 Prozent). Auch die Themen Nachhaltigkeit und langfristiger Nutzen für die Stadt wurden als besonders bedeutend eingestuft (je 10 Prozent).
Zu den Rückmeldungen, die ins Konzept mit aufgenommen werden sollen, zählen u. a.:
- ein umfangreiches sportliches und kulturelles Rahmenprogramm mit Public Viewing-Angeboten in allen Hamburger Bezirken sowie Mitmach-Sportzonen mit niedrigschwelligen Angeboten (Mini-Spielfelder, Klettern, Parkour, Radsportpark oder Lauf-Workshops). Hierzu machten die Bürgerinnen und Bürger auch konkrete Vorschläge zu möglichen Örtlichkeiten, wie Hafen und Elbe, Hayns Park, Winterhuder Marktplatz, Jahnkampfbahn oder Landhaus Walter im Stadtpark,
- der Zugang zu Trainingsstätten, um die Athletinnen und Athleten auch außerhalb der Wettkämpfe aus nächster Nähe erleben zu können,
- die Ausrichtung einer „Schul-Olympiade“ für Schülerinnen und Schüler vor Beginn der Olympischen und Paralympischen Spiele mit Wettkämpfen in verschiedenen olympischen Disziplinen,
- eine sinnvolle Nachnutzung der olympischen und paralympischen Sportinfrastruktur, wie Böden und Sportgeräten (z. B. der Fecht- und Judowettbewerbe oder Sprung-Rampen der Freestyle BMX-Wettbewerbe), um diese z. B. in öffentlichen oder vereinseigenen Sportstätten und Parks zu integrieren oder den Sportvereinen zur Verfügung zu stellen,
- der Ausbau moderner Mikromobilität in Form von „Pop-Up-Stadtrad-Stationen“ oder Mobilitäts-Hubs (Knotenpunkten) mit Stadträdern, Scootern und kleinen Shuttle-Bussen zusätzlich zum Schienen- und Busnetz.
Online abgestimmt werden konnte zudem über die Frage, welche zusätzlichen Sportarten (zusätzlich zum Olympischen Programm) Hamburg dem DOSB vorschlagen könnte. Dabei wählten die Teilnehmenden vorrangig Trendsportarten auf dem Wasser und verdeutlichten damit auch, welche Sportarten gut zu Hamburg aufgrund seiner Wasserlage passen würden:
- Rettungsschwimmen (20 Prozent)
- Stand-Up-Paddling (18 Prozent)
- Padel (17 Prozent)
- Wasserski/Wakeboard (15 Prozent)
- Beach-Handball (14 Prozent)
Das Projektteam prüft nun in den kommenden Wochen die Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Sportarten hinsichtlich Sportflächen sowie Kapazitäten und stimmt sich dazu mit den Verbänden ab. Die Agenda 2020, Agenda 2020+5 sowie die Regel 45 der Charta des IOC bilden die Grundlage für die ständige Weiterentwicklung des Olympischen Programms. So war in Paris 2024 Breakdance eine dieser zusätzlichen neuen Sportarten. In Los Angeles 2028 werden es u. a. Cricket und Flag Football sein.
Neben der Möglichkeit der direkten Beteiligung und Mitwirkung, boten alle Veranstaltungen die Gelegenheit, sich aus erster Hand über den bisherigen Stand der Hamburger Bewerbungskonzeption zu informieren. Dazu gehört vor allen Dingen, dass Hamburg ausschließlich auf bereits bestehende, temporär ertüchtigte oder für den Bau ohnehin vorgesehene Anlagen setzt und auf teure Neubauten extra für Olympia verzichtet.
Das eingereichte Konzept setzt zudem auf eine räumliche Konzentration der Sportstätten und eine Integration und Verbindung der unterschiedlichen Wettkampfstätten in der vorhandenen Stadtgeografie. Als Olympisches Dorf dient das per se in Realisierung befindliche Stadtquartier der Science City Hamburg Bahrenfeld.
Mit einer umfangreichen Informations- und Motivationskampagne geht es in den kommenden Wochen in die Offensive. Diese wird von prominenten Hamburger Gesichtern aus der Welt des Sports und anderen Bereichen der Stadtgesellschaft wie Patrick Esume, Alexander Zverev, Laura Ludwig, Edina Müller, Rene Adler und Horst Hrubesch unterstützt – u. a. auf Plakaten, mit Mitmach-Aktionen, in Filmen und Videos.
Am 31. Mai können die Hamburgerinnen und Hamburger darüber abstimmen, ob Hamburg als deutscher Bewerber ins internationale Rennen um die Spiele gehen soll. Ab dem 24. April 2026 besteht zudem die Möglichkeit, per Briefwahl abzustimmen.
Weitere Informationen unter: https://www.hamburg-activecity.de/olympia.
Hier einige Aussagen:
Sportsenator Andy Grote: „Bei Hamburgs Olympiabewerbung setzen wir auf die Kompetenz und Expertise derjenigen, die unsere Stadt am besten kennen: Die Hamburgerinnen und Hamburger. Ihre Vorschläge, Ideen und Rückmeldungen helfen uns, das Konzept noch besser auf die Stadt zuzuschneiden und auch Befürchtungen so aufzugreifen, dass sie eben gar nicht erst eintreten.
Diese Spiele sind wie noch keine andere Konzeption auf unsere Stadt zugeschnitten und fügen sich perfekt in die Stadt ein. Das ist ein absolutes Einstellungsmerkmal unserer Bewerbung und unsere große Stärke. Daher danke ich allen Teilnehmenden für Ihre Beiträge. Diese Spiele sind das, was wir gemeinsam daraus machen: Eine Chance für alle!“
Olympia-Projektleiter Steffen Rülke: „Unser Ziel war es, denen intensiv zuzuhören, die uns am besten sagen können, welche Themen und Schwerpunkte sie für Hamburgs Bewerbung als besonders wichtig erachten – nämlich den Hamburgerinnen und Hamburgern. Sie hatten die Chance, sich aktiv einzubringen und auf diese Weise am Olympia-Konzept ‚mitzuschreiben‘.
Über 800 konkrete Rückmeldungen spiegeln das große Interesse und die Chance, die Olympische und Paralympische Spiele für eine Stadt bieten, wider. Damit ist Hamburgs Konzept am Ende nicht nur eines einer Projektgruppe oder einer Institution, sondern eines der Hamburgerinnen und Hamburger.“
Edina Müller, zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin bei Paralympics und Fahnenträgerin in Paris 2024: „Dass die Themen Barrierefreiheit und Inklusion bei den Bürgerdialogen eine so wichtige Rolle eingenommen haben – sei es in Verbindung mit inklusiven Sportangeboten, barrierefreiem öffentlichen Nahverkehr oder dem Abbau verschiedenster Barrieren im öffentlichen Raum – unterstreicht, dass die Barrierefreiheit uns alle im Alltag betrifft.
Olympische und Paralympische Spiele stehen weltweit für Vielfalt, Respekt und Gemeinschaft. Den Spirit, die Botschaft und die weltweite Strahlkraft der Paralympics wollen wir gemeinsam nutzen, um die Gesellschaft noch inklusiver, unsere Stadt noch barrierefreier zu machen. Am Ende werden wir als gesamte Gesellschaft davon profitieren.“
Björn Lengwenus, Schulleiter der Stadtteilschule Alter Teichweg/Eliteschule des Sports und Keynote-Speaker bei der Bürgerveranstaltung in Hamburg-Wandsbek: „Die WHO empfiehlt für unsere Kinder und Jugendlichen täglich mindestens 60 Minuten moderate Bewegung und Sport. In Zeiten von Mobiltelefonen und digital first, kommt die Bewegung oft zu kurz. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit und uns als Gesellschaft. Hamburg ist eine sportbegeisterte, eine aktive und weltoffene Stadt.
Dies und die Hamburger Werte wie Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt passen zu den Werten der Olympischen und Paralympischen Spiele. Diese Werte gilt es, unseren Kindern und Jugendlichen zu vermitteln und sie für Sport, Bewegung und Gesundheit zu begeistern. Die Spiele als gemeinsames Ziel können uns dabei helfen. Mit Rahmenprogrammen, Mitmach-Aktionen und Einbindung insbesondere unserer Kinder schaffen wir einen Mehrwert weit über die eigentlichen Wettkämpfe hinaus.“