Was passiert in Niendorf-Nord? Bericht vom Quartiersrundgang mit Niels Annen

Heute ging es mit Niels Annen nach Niendorf-Nord, um uns über die Entwicklungen im Quartier zu informieren und auszutauschen. Mit Ishak Ates, Vorsitzender der IG Niendorf-Nord, und Betreiber des Premium Bistro im NNZ konnten wir zunächst über die Themen des lokalen Handels sprechen.

Im Anschluss stand ein Rundgang durch das Quartier an, bei dem wir uns über örtliche Themen und historische Entwicklungen austauschen konnten.

Bereits 1946 beschloss der Hamburger Senat, den 300 Hektar großen Niendorfer Anteil am Ohmoor abzutorfen und zu kultivieren. Pläne hierzu gab es bereits in den 1930er Jahren, sie scheiterten aber an ungeklärten Eigentumsverhältnissen. In den 1980er Jahren entstand dann auf dem Gelände des ehemaligen Ohmoors die Siedlung Niendorf-Nord.

In den letzten zehn Jahren gab es einen längeren Entwicklungsprozess: Einiges konnte umgesetzt werden, u. a. neue Bänke, die Neugestaltung der Grünanlage, ein neuer Wochenmarkt sowie breitere und barrierefreie Wege. Weiterhin kümmert sich ein Stadtteilbeirat um alle Themen aus dem Quartier.

Im Juni waren wir beim Quartiers-Spaziergang des Stadtteilbeirats Niendorf-Nord dabei. Mit AnwohnerInnen, EigentümerInnen, Geschäftsleuten, Kommunalpolitik, VertreterInnen der IG Niendorf-Nord, des Bezirksamtes und der BGFG (Baugenossenschaft freier Gewerkschafter) konnten wir vor Ort über Ideen zur Attraktivitätssteigerung des Zentrums sprechen und Anträge auf den Weg bringen, die über den Verfügungsfonds finanziert werden.

Weiter ging es in die Passage am Brunnen. Die Umsetzung größere Konzepte gelang hier leider in der Vergangenheit nicht, da sich diese Flächen im Eigentum von Wohneigentümergemeinschaften befinden. Über den Verfügungsfonds konnten hier aber gerade Beete verschönert und der Brunnen instand gesetzt werden.

Die größte Niendorfer Genossenschaftswohnanlage befindet sich am Wagrierweg. Die Anlage der BGFG wurde von 1967-1969 erbaut. In 1046 Wohnungen leben hier über 3000 Menschen.

Die BGFG tut viel für die Umfeldgestaltung, davon konnten wir uns vor Ort überzeugen. Attraktive Spiel- und Aufenthaltsflächen zwischen den Häusern, vor einigen Jahren wurde ein Nachbarschaftstreff errichtet und es gibt ein Spielhaus in der Wohnanlage.

Am Vielohweg ist der Wohnungsbestand einer anderen großen Genossenschaft zu sehen: Die FLUWOG hat hier und an anderen Stellen im Stadtteil rd. 1.000 Wohnungen. Auch hier wurden viele vorbildliche Maßnahmen umgesetzt – Gebäudedämmung, Nachbarschaftstreffs, barrierefreies Wohnen. In einem großen Beteiligungsverfahren hatte die FLUWOG vor einigen Jahren ihre Mitglieder befragt, welche Vorstellungen und Bedürfnisse sie haben. Hierbei wurde der Wunsch nach seniorengerechtem Wohnen deutlich geäußert – auf einer bislang überirdisch genutzten Garagenfläche am Vielohweg ist zwischen den Nr. 130-132 ein Seniorenhaus entstanden, zudem ein neues Genossenschaftshaus mit Waschraum und eine Tiefgarage.

Nächster Halt war die große Fläche, die von Autobahn im Westen, dem Vielohweg im Süden und Grünflächen im Osten begrenzt wird. Der Bebauungsplan „Schnelsen 63“ weist diese Fläche für Friedhofsnutzung aus. Da man davon ausging, dass die Belegungskapazitäten einiger Friedhöfe im Hamburger Nordwesten bald erschöpft sein würden, plante man hier Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre einen neuen Friedhof. Bisher wurde dies aber nie realisiert, da kein Bedarf bestand. Das Gebiet unterliegt dem Landschaftsschutz.

Die Grünanlage Voßbarg wurde ab 1984 entwickelt. Das Areal ist zudem auch Ausgleichsfläche für die IKEA-Ansiedlung in Schnelsen. Eine der größten Hundeauslaufflächen (14.500 m²) liegt hier und der Park dient als Naherholung und Treffpunkt für das ganze Quartier.

In der Nähe des nördliche U-Bahnausgangs Niendorf-Nord findet sich das Mahnmal 12 Stühle. Der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte entwarf das 1987 eingeweihte Mahnmal zum Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Es ist aus Ziegelsteinen gefertigt und hat die Form eines von zwölf Stühlen umstellten ovalen Tisches.

Elf Rückenlehnen der Stühle sind mit den Namen der folgenden Hamburger Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer versehen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden: Georg Appel, Clara und Walter Bacher, Rudolf Klug, Curt Ledien, Reinhold Meyer, Hanne Mertens, Ernst Mittelbach, Joseph Norden, Margaretha Rothe, Kurt Schill und Paul Thürey. Nach ihnen waren 1984 Straßen in der Umgebung des Mahnmals benannt worden.

Auf einer Tafel auf dem zwölften Stuhl, der keinen Namen trägt, wird die Gedenkstätte erläutert und dazu aufgefordert, sich dazuzusetzen und der Frauen und Männer des Widerstands zu gedenken.

Hier endete dann auch unser einstündiger Rundgang, der viele Gelegenheiten bot, sich auch über andere Themen aus Politik und Stadtteil auszutauschen.

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