STIKO empfiehlt dritte Impfung nach sechs Monaten

Die Ständige Impfkommission hat heute offiziell eine dritte, die sogenannte Booster-Impfung, gegen das Corona-Virus für alle ab dem 18. Lebensjahr empfohlen. Das wird von uns begrüßt, denn die STIKO-Empfehlung bietet Orientierung und ist eine klare Richtschnur für ärztliches Handeln.

Die Auffrischimpfungen soll in der Regel im Abstand von 6 Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf 5 Monate kann im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden. Unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde, soll für die Auffrischimpfung ein mRNA-Impfstoff verwendet werden.

Hamburg wird für alle Personen, die gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission eine Auffrischungsimpfung erhalten sollten, die Verfügbarkeit einer solchen Drittimpfung sicherstellen.

Die Corona-Schutzimpfungen werden vorrangig im Bereich des Regelsystems, also der niedergelassenen Ärzteschaft, durchgeführt. Das gilt auch für Auffrischungsimpfungen. Erste Anlaufstelle sind daher die Arztpraxen, weil dort das ärztliche Ermessen ausgeübt werden kann und auch jenseits der allgemeinen Empfehlung der Ständigen Impfkommission in medizinisch erforderlichen und sinnvollen Fällen Auffrischungsimpfungen verabreicht werden können.

Kommt die eigene Arztpraxis beispielsweise aus Kapazitätsgründen nicht in Frage, bieten zahlreiche weitere Praxen eine (Auffrischungs-)Impfung an.

Kommt auch dies nicht in Frage, stehen darüber hinaus die städtischen Impfangebote zur Verfügung, darunter die dezentralen Impfzentren, die an zwölf Krankenhausstandorten im gesamten Stadtgebiet und allen Bezirken eingerichtet sind.

Vorrangig wird seitens der Sozialbehörde empfohlen, einen Termin an einem dieser Standorte zu buchen, weil durch die Terminbuchungsmöglichkeit Wartezeiten minimiert werden können. Alternativ können auch die Angebote der mobilen Teams aufgesucht werden. Hier können alle Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten, für die das von der STIKO empfohlen wurde.

Leider aber sind es ja nicht die Menschen ohne Booster-Impfung, die die Pandemie treiben und unser Gesundheitssystem an seine Grenzen bringen. Impfen bleibt Bürgerpflicht und ist eine Frage der Solidarität.

Wir haben derzeit die höchste jemals in Hamburg gemessene Anzahl an Corona-Neuinfektionen.  Deshalb bleibt der Appell, sich impfen zu lassen. Der Schlüssel zum Brechen der sogenannten vierten Welle liegt darin, Ungeimpfte zur Impfung zu bewegen. Wer zweimal geimpft ist, hat einen guten Schutz vor dem Virus, der nach sechs Monaten durch die Booster-Impfung weiter verbessert werden kann.

Impfskepsis

Auch in der letzten Bürgerschaftssitzung gab es wieder absurde Vorwürfe der Rechtspopulisten, die Maßnahmen, wie die  jetzt vom Senat beschlossene 2-G-Regelung, würden die Gesellschaft spalten – umgekehrt wird ein Schuh draus. Die AfD verharmlost Corona, verbreitet Fake News und betreibt damit selbst Spaltungspolitik.

Und leider fällt dies immer noch auf viel zu fruchtbaren Boden. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge haben zwei Drittel der Ungeimpften die AfD oder die „Querdenker“-Partei „Die Basis“ gewählt.

Aber es gibt nicht nur Impfverweigerer oder -gegner, sondern nach wie vor viele skeptische Menschen.

Deshalb hier noch einmal die Fakten.

Vier Gründe für eine Corona-Impfung, die alle wissenschaftlich bewiesen wurden:

  • Es ist weniger wahrscheinlich, dass man krank wird,
  • man hat bei Erkrankung einen sehr viel weniger wahrscheinlichen schweren Verlauf,
  • es ist viel, viel weniger wahrscheinlich, dass man an  Corona stirbt, nämlich 32-mal unwahrscheinlicher,
  • man schützt andere Menschen, zum Beispiel, weil man selbst im Zweifel kein Bett im Krankenhaus oder gar auf der Intensivstation braucht.

Inzwischen werden Krebsoperationen verschoben, weil so viele Coronapatienten im Krankenhaus sind. Es sterben Menschen, weil sie nicht operiert werden.

Diesen Herbst wurden bei einer Umfrage über 3000 Menschen in Deutschland gefragt, warum sie bisher nicht geimpft sind, hier:

Auf Platz eins: Der Impfstoff ist nicht ausreichend erprobt

Auf Platz zwei: Die Angst vor Nebenwirkungen.

Und auf Platz Drei: Die Angst vor Langzeitfolgen.

Zum Ersten: Ist der Impfstoff nicht ausreichend erprobt?

Inzwischen sind weltweit 3,2 Milliarden Leute vollständig geimpft. Es gibt eigentlich keinen Impfstoff, der schneller und intensiver bei mehr Menschen geimpft und damit ja auch ständig erprobt wird.

Es stimmt, das ist alles erst ein paar Monate her – aber viele glauben, dass die sogenannten mRNA-Impfstoffe (dazu gehören Biontech und Moderna) völlig neu sind. Das stimmt so nicht. mRNA-Impfstoffe werden seit 1993 erforscht, also seit 28 Jahren. Seit Mitte der Neunzigerjahre werden sie Tieren gespritzt. Seit 2002, seit fast 20 Jahren, werden mRNA-Impfstoffe an Menschen getestet. mRNA ist also nicht neu.

Und es heißt zwar »mRNA«, und diese Abkürzung hat mit dem Erbgut zu tun – aber die Impfung verändert nicht das Erbgut. Die Behauptung, dass die Impfung ein »Gen-Experiment« ist, die ist einfach falsch. Sie fragen sich, warum der Impfstoff gegen Corona so verdächtig schnell da war? Es gab 2012 schon mal einen nahen Verwandten des heutigen Coronavirus namens »MERS« – seitdem wird an Impfstoffen geforscht. Deshalb konnte die Wissenschaft jetzt so schnell reagieren. Und auch weil völlig neue, digitale Instrumente in der Forschung angewendet wurden. Die Digitalisierung macht fast alles schneller.

Zum Zweiten: Nebenwirkungen.

Ja, es kann Nebenwirkungen geben. Und leider stimmt es auch, dass in der Vergangenheit nicht immer offen und ehrlich über Nebenwirkungen von Medikamenten und Impfungen gesprochen worden ist. Aber bei den Coronaimpfungen werden die Nebenwirkungen nicht verschwiegen, sondern intensiv erforscht und regelmäßig veröffentlicht. Es gibt dafür sogar eine App vom staatlichen Paul-Ehrlich-Institut mit dem Namen »SafeVac«.

In den allermeisten Fällen fühlen sich die Nebenwirkungen an wie eine leichte Grippe, wenn sie überhaupt auftreten. Zu den schlimmsten Nebenwirkungen gehören bei den meistverwendeten Impfstoffen von Biontech und Moderna Herzmuskelentzündungen. Aber die sind wie alle schwereren Nebenwirkungen bei der Coronaimpfung wirklich sehr selten.

In den USA wurden von einer Krankenkasse zwei Millionen Versicherte untersucht: Auf 100.000 Geimpfte kamen 2,8 Menschen mit Herzmuskelentzündungen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist also kleiner, als aus einem Skat-Kartenspiel dreimal hintereinander zufällig die exakt gleiche Karte zu ziehen. Und das Wichtigste: Alle Erkrankten haben überlebt. Trotzdem ist eine Herzmuskelentzündung eine ernste Sache. Doch die Wahrscheinlichkeit, eine Herzmuskelentzündung durch eine Covid-Erkrankung zu bekommen, ist deutlich höher.

Das gilt auch für andere Komplikationen: Wenn man alle Nebenwirkungen zusammennimmt, sind sie viel seltener und viel ungefährlicher als die Auswirkungen der Corona-Erkrankung. Covid-19 ist nämlich richtig gefährlich, spätestens seit es die Delta-Variante des Virus gibt auch für junge Menschen. Die Krankheit ist auch nicht mit der Grippe zu vergleichen, sie ist gefährlicher. Covid-19 kann zu Schlaganfällen und Hirnblutungen führen, zu monatelangen Schwächezuständen, zu Herzkrankheiten und natürlich auch zum Tod. Von den Leuten, die wegen Corona beatmet werden müssen, sterben ungefähr die Hälfte.

Es bleibt immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung, aber im Grunde läuft es auf genau eine Wahl heraus, vor der die Menschen jetzt stehen: Entweder man lässt sich impfen oder man infiziert sich. Bloß lässt sich nicht abschätzen, wie die eigene Corona-Erkrankung verläuft. Natürlich kann sie mild verlaufen – aber sie kann auch schlimm ausgehen. Und womöglich steckt man wiederum andere an, die vielleicht sehr krank werden oder sterben.

Wer übrigens auf einen sogenannten Totimpfstoff wartet, sollte sich das noch einmal gut überlegen. Es ist nämlich unklar, wann Totimpfstoffe in der EU zugelassen werden und auch, wie gut sie gegen die neuen Varianten vom Coronavirus wirken.

Bleibt noch die dritte große Befürchtung, warum so viele Leute mit der Impfung zögern: Langzeitfolgen.

Dahinter steckt vielleicht das größte Missverständnis, denn wissenschaftlich betrachtet bedeutet „Langzeit“ nämlich ein paar Tage bis maximal Wochen. Alle Wirkungen und Nebenwirkungen von Impfungen zeigen sich recht schnell nach der Impfung. Es kann zwar sein, dass Betroffene unter manchen Nebenwirkungen letztlich längere Zeit zu leiden haben. Es kann auch sein, dass eine Nebenwirkung erst nachträglich mit der Impfung in Verbindung gebracht wird. Doch es gibt bisher keinen verifizierten Fall bei irgendeiner Impfung, wo ein paar Jahre später plötzlich irgendwelche überraschenden neuen Folgen aufgetreten sind.

Leider gibt es viele Gerüchte und Lügen zu Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. Zum Beispiel, dass die Impfung impotent oder unfruchtbar macht. Das ist einfach falsch, es gibt keine seriöse Untersuchung, die das bestätigt. Im Gegenteil haben schon unglaublich viele geimpfte Menschen Kinder gezeugt und zur Welt gebracht.

Am besten ist es, dass man als skeptischer, noch nicht geimpfter Mensch mit Leuten spricht, die sich bereits haben impfen lassen, oder mit Freunden oder Bekannten, die unter Corona gelitten haben oder schlichtweg mit der Hausärztin oder dem Hausarzt.